
Das Viertel, in dem unsere Wohnung liegt heißt Pinheiros und liegt in der Zone West von SP. Es ist bekannt für seine vielen Geschäfte, Bars und Galerien. Für mich ist hier besonders wichtig, dass die Hauptverkehrsadern zwischen Zentrum und dem Westen quasi direkt an meinem Haus vorbei führen, denn die Uni ist somit für mich leicht erreichbar. Ohne Rushhour sind es etwas 20 Minuten mit dem Bus, was in SP schon direkte Nachbarschaft bedeutet. Mit Rushhour werden daraus allerdings schnell 1 1/2 Stunden. Der Verkehr hier ist wirklich ein Horror und wird auf kurz oder lang die Stadt zum kollabieren bringen, vermute ich. Wir wohnen an der Grenze zu Vila Madalena, das Viertel mit dem legendären Nachtleben von SP, eine Bar reiht sich an die nächste und Nachts sind die Straßen voll mit Leuten. Auch einige Diskotheken und Club sind hier zu finden. Tagsüber kann man dort die noch mehr Galerien und anderes Kunstgewerbe finden - Schmuck, Keramik, Mosaik, Glas, Malerei und, und, und.
Alle Fotos meiner Wohung findet ihr unter:
http://picasaweb.google.com/RomannoBrasil/MeineWohnung?authkey=wVEM-D4y5Ew
Zur Stadt selber kann man endlos viel erzählen. Einige Fakten die mich beeindruckt haben: Die Metropole hat ca. 12 Millionen Einwohner und 6 Millionen Autos, was auch den drohene Verkehrkollaps erklärt. Die Makrometropole, das heißt, einschließlich der angewachsenen Vororte, die jedoch nicht von der Stadt verwaltet werden, hat sogar an die 20 Millionen Einwohner. Diese Zahl ist unvorstellbar und kann man, selbst wenn man hier wohnt, nicht begreifen. Die Stadt ist einfach nur endlos. Ich bin noch kein mal an ihren Rand gestoßen. Man muss sich schon in einen Fernbus setzen und wegfahren, um dieser Stadt zu entfliehen. Es fließen zwei große Flüsse durch die Stadt, sofern man das noch Flüsse nennen kann, denn sie gelten offiziell als biologisch tot. Und was biologisch tot heißt, ist auch biologisch tot. Sie dienen nur noch der "Abwasserentsorgung" und sind neben privaten Abwässern vor allem durch Schwermetalle von Industrieabwässer vergiftet. Und wer Angst um die Umwelt hat, wenn man im Fernsehen mal einen Ölteppich von einem Tankerunglück sieht, der darf nicht nach SP kommen. Die tiefschwarze Brühe vom Rio Pinheiros, der mein Stadtviertel von der Cidade Universitária, wo die USP liegt, trennt, wird von einem Fekalienteppich gekrönt und transportier jeden Tag seinen Inhalt sonst wohin. Und vom Geruch, den ich jeden Tag mindestens zwei mal inhalieren darf, wenn ich mich dem Bus den Fluss überquere, will ich garnicht erst anfangen.
Ihr seht die Stadt hat unschöne Seiten. Und dass ich damit meine Erzählung über die Stadt beginne, ist meiner Ansicht nach in einer Art und Weise charakteristisch für SP. Es erschreckt ein deutsches Auge, wie ich es habe, einfach und macht, bevor die erste Abstumpfen der Situation gegenüber einsetzt, vor allem nach denklich, ob unsere westlich Art Zivilisation zu erschaffen wirklich eine Zukunft hat.
Doch die Stadt hat trotz ihres krassen ersten Eindruck etwas ganz besonderes und so natürlich auch unglaublich viele schöne, interessante und aufregende Seiten, die ich teilweise schon kennenlernen durfte. Im nächsten Post will ich euch die Stadt auf positive Art und Weise vorstellen, damit ihr nicht denke, ich würde mich hier nicht wohl fühlen. Doch vorerst genug...
Viele liebe Grüße,
euer Roman

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