Donnerstag, 14. Februar 2008

Mein neues zu Hause in São Paulo




Am 14. Februar war es dann endlich so weit. Mein Umzug nach SP war vollzogen - nicht zuletzt durch die erneute Hilfe von Rodrigos Familie. An dieser Stelle sei ihnen herzlichst gedankt. Seitdem wohne ich mit André, meinen brasilianischen Mitbewohner hier in Pinheiros in einer schönen, wenn auch alten Wohnung mit Stil. Sie hat zwei Schlaftzimmer, ein Wohnzimmer, Küche und Bad und einem schönen Balkon, wo Nachmittags die Sonne drauf scheint. Die Einrichtung ist teilweise sehr antik und Bad und Küche sind im Stil der 70er. Sehr kultig alles hier... Mir gefällt es. Eingentlich ist alles vorhanden: Herd, Ofen, Kühlschrank, Waschmaschine, Mikrowelle, TV, W-LAN, Telefon und ein Hausmeister, der sogar den Müll runterbringt. Cool, oder? Und da André noch weniger gerne putzt als ich, kommt ab und zu mal ne Putzfrau vorbei, die das schlimmste hier beseitigt. Brasilien ist und bleibt ein Dienstleistungsland. Wenn man es sich leisten kann, spart man sich die Arbeit und lässt es jemand anderen machen. Völlig normal!

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Das Viertel, in dem unsere Wohnung liegt heißt Pinheiros und liegt in der Zone West von SP. Es ist bekannt für seine vielen Geschäfte, Bars und Galerien. Für mich ist hier besonders wichtig, dass die Hauptverkehrsadern zwischen Zentrum und dem Westen quasi direkt an meinem Haus vorbei führen, denn die Uni ist somit für mich leicht erreichbar. Ohne Rushhour sind es etwas 20 Minuten mit dem Bus, was in SP schon direkte Nachbarschaft bedeutet. Mit Rushhour werden daraus allerdings schnell 1 1/2 Stunden. Der Verkehr hier ist wirklich ein Horror und wird auf kurz oder lang die Stadt zum kollabieren bringen, vermute ich. Wir wohnen an der Grenze zu Vila Madalena, das Viertel mit dem legendären Nachtleben von SP, eine Bar reiht sich an die nächste und Nachts sind die Straßen voll mit Leuten. Auch einige Diskotheken und Club sind hier zu finden. Tagsüber kann man dort die noch mehr Galerien und anderes Kunstgewerbe finden - Schmuck, Keramik, Mosaik, Glas, Malerei und, und, und.

Alle Fotos meiner Wohung findet ihr unter:

http://picasaweb.google.com/RomannoBrasil/MeineWohnung?authkey=wVEM-D4y5Ew

Zur Stadt selber kann man endlos viel erzählen. Einige Fakten die mich beeindruckt haben: Die Metropole hat ca. 12 Millionen Einwohner und 6 Millionen Autos, was auch den drohene Verkehrkollaps erklärt. Die Makrometropole, das heißt, einschließlich der angewachsenen Vororte, die jedoch nicht von der Stadt verwaltet werden, hat sogar an die 20 Millionen Einwohner. Diese Zahl ist unvorstellbar und kann man, selbst wenn man hier wohnt, nicht begreifen. Die Stadt ist einfach nur endlos. Ich bin noch kein mal an ihren Rand gestoßen. Man muss sich schon in einen Fernbus setzen und wegfahren, um dieser Stadt zu entfliehen. Es fließen zwei große Flüsse durch die Stadt, sofern man das noch Flüsse nennen kann, denn sie gelten offiziell als biologisch tot. Und was biologisch tot heißt, ist auch biologisch tot. Sie dienen nur noch der "Abwasserentsorgung" und sind neben privaten Abwässern vor allem durch Schwermetalle von Industrieabwässer vergiftet. Und wer Angst um die Umwelt hat, wenn man im Fernsehen mal einen Ölteppich von einem Tankerunglück sieht, der darf nicht nach SP kommen. Die tiefschwarze Brühe vom Rio Pinheiros, der mein Stadtviertel von der Cidade Universitária, wo die USP liegt, trennt, wird von einem Fekalienteppich gekrönt und transportier jeden Tag seinen Inhalt sonst wohin. Und vom Geruch, den ich jeden Tag mindestens zwei mal inhalieren darf, wenn ich mich dem Bus den Fluss überquere, will ich garnicht erst anfangen.


Ihr seht die Stadt hat unschöne Seiten. Und dass ich damit meine Erzählung über die Stadt beginne, ist meiner Ansicht nach in einer Art und Weise charakteristisch für SP. Es erschreckt ein deutsches Auge, wie ich es habe, einfach und macht, bevor die erste Abstumpfen der Situation gegenüber einsetzt, vor allem nach denklich, ob unsere westlich Art Zivilisation zu erschaffen wirklich eine Zukunft hat.

Doch die Stadt hat trotz ihres krassen ersten Eindruck etwas ganz besonderes und so natürlich auch unglaublich viele schöne, interessante und aufregende Seiten, die ich teilweise schon kennenlernen durfte. Im nächsten Post will ich euch die Stadt auf positive Art und Weise vorstellen, damit ihr nicht denke, ich würde mich hier nicht wohl fühlen. Doch vorerst genug...

Viele liebe Grüße,

euer Roman

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