Dass Karneval hier in Brasilien genau so ausgiebig, wenn nicht noch heftiger, gefeiert wird wie in Deutschland ist hinlänglich bekannt. Dennoch will ich versuchen einigermaßen kompakt meine zahlreichen, schönen, lustigen und auch so anderen Erfahrungen zu erzählen. Trotzdem werde ich von jedem Tag einzeln berichten, da sich Unterschiedlichstes ereignet hat.
Begonnen hat der Karneval hier am Freitag, den 01.02.2008 mit dem sogenannten Bloco. Das ist sowas wie ein Karnevalsverein, der die gesamte Organisation für Location, Versorgung mit Alkoholika und Gestaltung der Verkleidungen und Umzüge übernimmt. Von diesen Blocos gibt es jede Menge hier in Cachoeira. Das ist aber kein lokales Phänomen, denn in Rio zum Beispiel – dazu später – habe ich auch welche gesehen. Da Ricardo, Rodrigos Bruder einen Großteil dieser

Arbeiten übernommen hat, habe ich nicht wenig gestaunt, als er die Getränke für die ganze Gruppe eingekauft hat: 38 Liter Wodka und ca. 580 Liter Bier in überdimensional großer Bierkisten. Der Abend begann dann mit der sogenannten Concentração – wir würden es Vorbrennen nennen. Allerdings handelte ich sich tatsächlich um die konzentrierte Alkoholaufnahme. An diesem Abend stand lediglich Wodka auf der Karte. Es durfte zwar gemixt werden, aber das hat den Abend auch nicht mehr gerettet…
Die Concentração fand in einer angemieteten „Hütte“ – wobei die Hütte eigentlich keine Wände hatte, wozu auch, braucht man hier nicht – also unter einem angemieteten Dach statt. Dort wurde wie gewohnt getrunken, Musik aus ´nem gepimpten Chevrolet Corsa gemacht und ich habe fleißig Leute kennengelernt. Oder sagen wir es so: Das „Kennenlerndilemma“ hatte begonnen. Denn, soviel kann ich vorweg nehmen, den ganzen Karneval habe ich so viele kennengelernt, nicht mal im nüchternen Zustand könnte ich mir all ihre Gesichter, geschweige denn ihre Namen merken. Naja, jetzt kennt mich die halbe Stadt und ich grüße immer locker, lässig zurück, wenn ich vermeidliche Bekannte auf der Straße treffe. Ihr wisst ja, souveränes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit – funktioniert auch hier… hehe
Einige Stunden später und um einige Promille voller ging dann der gesamte Bloco in den Clube. Diese Örtlichkeit ist irgendwie eine Mischung aus Stadthalle, Disko und Sporthalle. Die Party, die dort an allen fünf Tagen des Karnevals gefeiert wurde, war eigentlich immer gleich. Deswegen soll´s reichen, wenn ich einmal davon erzähle.
Zunächst einmal musste ich feststellen, dass der Eintritt für Nichtmitglieder des Vereins, der den Clube betreibt – ein anderer als die Blocos sind – ziemlich happig war. 25 R$ (ca. 10€) pro Abend ist hier nicht wenig Geld. Aber es wurde auch einiges geboten. Zumindest schätze ich das, denn ich war nicht ein Mal nüchtern im Clube. Über die Qualität der Liveband kann ich deshalb nur mutmaßen. Was mir in Erinnerung geblieben ist, ist die vielfältige und auf jeden Fall lustig Musik und die beiden Tänzerinnen, die fleißig alle fünf Tage auf der Bühne durchgetanzt haben.

Das, wie immer hochgradig runter gekühlte Bier war dafür für 2,50 R$ (ca. 1€) zu haben und hat die trockenen Kehlen, der wie immer Tanzwütigen erfrischt. Ich hatte meinen Spaß und habe viel getanzt, Fotos gemacht mit „Bekannten“ und echten Unbekannten und mich viel Unterhalten. Natürlich war jeder interessiert, „den Deutschen“ kennen zu lernen. Das ist zwar schön, so viel Aufmerksamkeit zu kriegen, hat mich aber auch enorm angestrengt. Obwohl sich meine Portugiesischkenntnisse mit jedem Bier potenziert haben, wenn auch nur bis zum nächsten Morgen… hehe
Geendet hat dieser Morgen wie jeder - an einem der Burgerstände auf der Straße oder bei Rodrigos Onkel, der in der Stadt eine Bar hatte und immer einen Absacker parat hatte oder in seinem Reiseintopf auf dem Herd gerührt hat. Mhhh, das war genau das richtige nach so einer durch gerockten Nacht. Gegen fünf, sechs oder sieben ging es dann endlich ins Bett.
Samstag 02.02.2008
Der Samstag gestaltete sich verhältnismäßig ruhig. Da meine Pläne, nach Rio zu fahren vorerst gestorben waren (Diese Stadt befand sich bereits im Ausnahmezustand und es war unmöglich eine Unterkunft oder Karten für die Umzüge zu organisieren – zumindest nicht, ohne sich für den Rest seines Lebens zu verschulden!), habe ich ausgeschlafen und den Tag damit verbracht meinen Kater zu bekämpfen. War schon hart an der Grenze… Von daher hätte ich sowieso nirgends hinfahren können.Abends jedoch strömte allen, auch mir unerwartet wieder Energie in die Glieder – oder war es doch Alkohol? Naja, ist ja auch irgendwie Energie. Einen Bloco gab es an dem Abend nicht, dafür aber einen kleinen Vorbrenner bei Rodrigo zu Hause mit einigen jetzt doch bekannten Gesichtern. Danach, wie gehabt ging es in den Clube. Ich war verhielt mich relativ ruhig an dem Abend, um mich für den nächsten Tag zu schonen, denn es stand großes bevor. So habe ich meine Bekanntschaften und Sprachfähigkeiten auch ohne übermäßigen Alkoholkonsum versucht zu festigen. Meinen Spaß hatte ich dennoch und irgendwie waren wir ja schon alle Freunde. Ins Bett kam ich dennoch erst gegen fünf.
Ein Video von uns an diesem Abend findet ihr unter:
http://www.youtube.com/RomannoBrasil
Alle Fotos davon könnt bei Picasa anschauen:
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