Dienstag, 5. Februar 2008

Karneval Episode IV- Der Umzug der Sambaschulen Guaratingetás




Nach vier Tagen ereignisreichem Carnaval in Cachoeira war ich doch neugierig, was Brasilien sonst noch zu bieten hat. Ich hatte gehört, dass in Guaratingetá ein relativ großer Umzug ist. Das hat mich gereizt. Einige von Rodrigos Freunden wollten zu diesem Umzug und ich entschied mich dazu, mitzugehen. Wie ich allerdings schon jetzt oft erleben musste, war auch diesmal das gesprochene Wort von geringem Wert. Nach langem hin und her, war ich schließlich der einzige, der noch ersthafte Ambitionen hatte nach Guará zu fahren. Somit blieb letztlich noch dir Schwierigkeit an eine Eintrittskarte zu kommen, denn auch dieser Umzug war sehr beliebt und deswegen natürlich längst ausverkauft. Da ich mich etwas auf meine vermeidlichen Begleiter verlassen hatte, stand ich jetzt etwas blöd da. Aber trotz aller Verlässlichkeitsprobleme muss ich gestehen, dass die Brasilianer fast immer freundlich sind und alles dafür tun, dir zu helfen.



Videos aus Guará findet ihr auch bei:
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http://www.youtube.com/romannobrasil


So hat Simone, eine Freundin von Rodrigo, die eigentlich in Guará wohnt, eine Karte für mich besorgt. Und das Beste war, trotz mangelnder Begleiter wurde ich herzlichst betreut. In diesem Falle von Simones Mutter, die mich abends gegen 9 Uhr in Guará am Busbahnhof abgeholt hat und zum Umzug gefahren hat. Die Karte habe ich von ihr bekommen und dazu noch gratis. War irgendwie eine Freikarte über Connections der Familie. Das habe ich nicht so richtig verstanden, war aber auch egal. Ich habe mich herzlichst bedankt und den Abend doppelt genossen.
Vom Ausmaß und der Professionalität unterschied sich dieser Umzug schon gewaltig von dem in Cachoeira. Es gab ein richtiges, wenn auch kleines Sambódromo. Das sind die typischen Stadien, die man vom Carnaval in Brasilien kennt. Es besteht aus einer langen Straße mit zahlreichen, unterschiedlichen Tribunen am Rand. Ich hatte einen guten Platz gegenüber den VIP-Tribunen. Es war gerappelt voll und es herrschte eine super Stimmung. Die Zuschauer tanzen und singen auch hier mit, natürlich. Nachdem ich etwa um 10 Uhr meinen Platz gefunden hatte, war die erste Schule schon durch. Dies hat allerdings nicht wirklich was ausgemacht. Denn es folgten noch weitere 5. Wesentlich Unterschied zum kleinen „Dorfumzug“, den ich die Tage zuvor gesehen hatte, waren die prachtvollen Wagen - Größer, mit mehr Schmuck und toller Performance. Außerdem hatten die Schule schon ziemlich aufwendige und anspruchsvolle Choreographien einstudiert. So wurden Pyramiden gebaut, Leute durch die Gegend geworfen, getanzt und gespielt. Mir hat das sehr gut gefallen und soviel kann ich vorwegnehmen, in Rio habe ich solche Vorführungen nicht mehr gesehen.



Da jede Schule etwa eine Stunde zur Verfügung hat, ging auch diese Veranstaltung bis in den Morgen. Etwa gegen 4 Uhr war alles vorbei und ich todmüde. Obwohl schon währenddessen viele Leute gegangen waren, strömten jetzt die Massen aus dem Sambódromo. Zum Glück habe ich ziemlich schnell ein Taxi gefunden, welches mich wieder zurück zum Busbhf. gebracht hat. Dazu gibt´s aber noch eine kleine Anekdote am Rande: Der Taxifahrer, den ich ansprach, stand neben seinem Taxi und hat mit einem anderen Mann geredet. Wenig beeindruckt von meiner Frage, ob er mich fahren kann, ließ er sich nach einiger Zeit zu mir herab, um mir zu antworten. Seine Antwort war: „Fahr mit ihm!“ Gemeint war der andere Mann. Dieser hatte aber wohl auch kaum ernsthafte Lust an mir zu verdienen und verschwand schnell im Getümmel. Der erste Fahrer… unternahm nichts. Nach ca. 5 Min. dummen Rumstehen und meinerseits erneutem Umschauen nach einem Taxi, sagte er dann doch zu mir, ich solle einsteigen. Daraufhin folgte dummes Gelaber. Er wollte mich unbedingt mit dem Taxi nach Cachoeira fahren, weil doch jetzt kein Bus käme. Bla, bla, blub. Da ich aber wusste, dass schon bald wieder ein Bus fahren würde, ließ ich mich nicht einlullen. Sichtlich trotzig steuerte der Fahrer deswegen die nächste Tanke an, um dort – ich schätze mal 2 Liter – Sprit zutanken und wiederrum dumm rumzustehen. Schon klar, die Uhr lief weiter… Irgendwie musste er ja noch sein Geschäft machen. Ich habe mich entspannt und wieder an den Solidaritätsbeitrag gedacht, den ich hier leiste… hihi. So kam ich letztendlich sicher und genügend spät am Busbhf. an, an dem schon andere Carnavalsgänger auf eine Gelegenheit nach Hause zu fahren warteten. Nach einer knappen Stunde warten, stieg ich letztendlich völlig erschöpft aber auch total beeindruckt und glücklich in den Bus ein, um meine Heimreise anzutreten.
Insgesamt und trotz aller Eskapaden hat sich dieser Ausflug aber richtig gelohnt und riesig Spaß gemacht. Ich war sehr zufrieden, doch noch einen größeren Umzug erlebt zu haben. Denn bis dahin wusste ich noch nicht, dass ich doch noch nach Rio fahren würde…



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Alle Fotos könnt ihr bei Picasa anschauen:

http://picasaweb.google.com/RomannoBrasil/KarnevalDerUmzugInGuaratinget?authkey=6VbUovcJsF4


Viele liebe Grüße,
euer Roman

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