Sonntag, 3. Februar 2008

Karneval Episode II - Umzug der Sambaschulen Cachoeiras

Der Sonntag fing also etwas entspannter und vor allem fitter an. Was aber nicht heißen soll, das nicht gleich weiter gefeiert wurde. Denn der Clube hatte auch nachmittags was zu bieten – zumindest für Kinder, denn die wollte auch Karneval feiern. So gab es eine Matinê, zu der auch einige Erwachsene, auch ohne Kinder im Gepäck, kamen, um direkt mal das erste Nachmittagsbierchen zu zischen – so auch Rodrigo und ich. War ganz lustig und auch süß, die ganzen kleinen Fratze mit ihren Kostümchen zu sehen. Und was soll ich sonst sagen, war schon ´ne echte Party, das Bier war schon gut kühl und die Tänzerinnen haben auch für die Kids getanzt…
Am Abend fand sich dann wieder der Bloco ein - wie gehabt in der Hütte zum Vorbrennen. Neben Wodka durfte aber jetzt auch Bier getrunken werden. Dies minderte den

Wodkakonsum jedoch kaum, schätze ich. Zudem haben sich alle Blocomitglieder, die Los miguellitos, traditionell mit eigens designtem Bloco-T-shirt und in Blocofarben angemaltem Sombrero gedresst. Ich wurde somit offiziell zum ersten ausländischen Miguellito ernannt. Fühlte mich sehr geehrt.
Ich hatte meinen Abend allerdings vor erst anders begonnen. Denn auch die Kleinstadt Cachoeira besitzt Sambaschulen, die an Karneval einen Umzug, den sogenannten Desfile, ausrichten. Also bin ich gegen 10 Uhr am Abend ins Zentrum der Stadt gegangen. Die Hauptstraße und der Zentrale Platz waren Ort des Geschehens. Es gab eine Bühne, Tribünen und jede Menge Stände und Buden zur Verköstigung. Danke Joaquim, Rodrigos Vater, der im Rathaus arbeitet, konnte ich den Umzug von der Bühne aus betrachten. Die Sicht auf dem Zug war hervorragend.
Alle Umzüge, egal ob in Rio, SP, Guará, Cachoeira oder sonst wo, sind im Prinzip gleich– will ich jetzt mal behaupten. Sicherlich gibt es regional Unterschiede, aber für die Umzüge, die ich gesehen habe, trifft dies zu. Vorneweg läuft die „Commisão em frente” oder „Abrealas“ – eine Vorhut, die eine besondere Choreografie oder Performance macht. Ursprünglich war sie wohl dafür da, die Menschenmenge zu teilen, um Platz für den Zug zu schaffen. Daraufhin folgen die „Alas“, die einzelnen Gruppen, die gleiche Kostüme tragen und gemeinsam tanzen, die „Batterie“, die Kapelle, die berühmte Musik des brasilianischen Karnevals macht und der „Enredo“, die Sänger, die außerdem von Gitarren begleitet werden. Außerdem gibt noch ein oder mehrere Paare von „Porta-Bandeira“ und „Mestre-Sala“, die zwischen den Alas auftreten. Sie, die „Porta-Bandeira“ trägt ein großes aufwendiges Kleid und außerdem die Fahne (Bandeira) der Samba Schule. Da das Kleid über 10 kg wiegen kann, tanzt sie meist nicht viel, sondern dreht sich nur um sich oder ihn. Er, der „Mestre-Sala“ tanzt dafür umso wilder und heftiger. Sein Kostüm passt zu dem der „Porta-Bandeira“ ist aber nicht so ausladend und mächtig. Sonst sieht man dazwischen immer wieder die berühmten Sambatänzerinnen, die wohl jeder aus dem Fernsehen kennt. Und dieser Eindruck ist wirklich wahr. Meist sind es wohl geformte Brasilianerinnen mit möglichst wenig Bekleidung aber dafür mit riesigen und prachtvollen Federkostümen auf dem Rücken. Sie tanzen ausgelassen und feuern die Menge an mitzumachen oder zu jubeln. Für die Batterie tanzt es eine besondere Tänzerin. Dies ist die Königin, die „Rainha da bateria“ und vertritt sozusagen die ganze Sambaschule. Für die großen Sambaschulen in Rio oder SP sind dies oft Prominente, wie Schauspielerinnen oder Models. Und wo es Königinnen gibt, gibt´s auch Prinzessinnen. Sie begleiten die Königinnen und können trotz manchmal wirklich jungen Alters zu meinem Erstaunen auch fantastisch tanzen. Zu guter Letzt darf ich natürlich die Wagen der Sambaschulen nicht vergessen. Diese unterscheiden sich natürlich drastisch in Größe und Aufwand, abhängig von Größe und Finanzkraft der Schulen. Aber vorhanden sind sie immer und passen thematisch mehr (oder weniger) zum Auftritt oder tragen auch das Wappen der Schule.


So habe ich die 4 Sambaschulen von Cachoeira genossen. Ich konnte von der Bühne schauen, runter auf die Straße gehen und mitlaufen. Einen Teil habe ich auch vom Haus von Rodrigos Onkel aus beobachtet. Dies war im Bereich, wo sich die Teilnehmer vorbereiten und warmtanzen. Das war besonders cool, denn ich konnte in Ruhe Fotos schießen und ein bisschen mit den Leuten quatschen. Als Besonderheit gab es in Cachoeira auch eine Capoeiragruppe, die ein Ala gebildet hat. Ebenfalls durch die Kontakte von Joaquim bin ich mit dem Mestro der Gruppe in Kontakt gekommen. Als dieser mich dann während des Umzugs in der Menge wieder erkannt hat, hat er mich eingeladen mit zu spielen. Und so wurde ich ganz unverhofft zum Teilnehmer der Umzüge von Cachoeira – und der einzige ausländische noch dazu, wahrscheinlich. Hat riesig Spaß gemacht.

Videos findet ihr wieder unter:


http://www.youtube.com/RomannoBrasil


Nach einigen Stunden unterhaltsamer Parade bin ich dann doch noch zum Bloco gekommen und habe mich der feiernden Miguellitogemeinschaft angeschlossen. In einheitlichem Blocopoutfit ging es dann aber wieder relativ schnell in den Clube. Dort waren schon einige Hundert Leute am feiern. Neben unseren Leuten vom Bloco gab es viele andere Gruppen. Untereinander gilt es traditionell dann mehr zu feiern und mehr Spaß zu haben als die anderen Blocos. Wo das hinführt, kann man sich vielleicht vorstellen… Wiederum bis in den Morgen wurde gefeiert und getrunken.
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Alle Fotos könnt ihr bei Picasa anschauen:
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Viele liebe Grüße,
euer Roman

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