Samstag, 26. Januar 2008

Mein erstes Wochenende in São Paulo, Capital

Ich bin am Do. 24.01.2008 das erste Mal nach São Paulo, Stadt gefahren. Rodrigos Tante Mila hat mich mitgenommen. Ihr Vater musste dort zu einer medizinischen Behandlung. Die Fahrt dorthin, ca. 2 bis 3 Std. war an sich schon sehr lustig. Die Landschaft ist sehr schön und erinnert mich (aus aktuellem Anlass) sehr ans Auenland aus Herr der Ringe. Rundherum gibt´s jede Menge grün bewachsene Hügel und ne Menge einfache Besiedlung und Infrastruktur. Fehlen nur noch Hobbits!!! :-) Natürlich hat es aber auch während der Fahrt geregnet.


Anstrengend an der Fahrt war einzig die Kommunikation. Während die jungen Leute teilweise hier sehr gut Englisch sprechen, konnte dies von meiner Mitfahrern fast keiner. Einzig Mila versteht ein paar Brocken. Und für mich sind 3 Std. Portugiesisch am Stück noch etwas zu viel, obwohl ich dafür ja auch hier bin. :-)


Auf jeden Fall waren Mila und die anderen so nett mich bis zu Walter, bei ihm konnte ich schlafen, zu bringen. Obwohl sie eigentlich eher total besorgt waren, dass ich abends in SP sofort abgerippt werde. Mhhh, kann das nicht so richtig beurteilen, aber ich habe das Gefühl, dass die Landbevölkerung von hier mehr Angst vor der Kriminalität in SP hat, als die Bewohner selber oder gar die Touristen.


Bei Walter, ein Freund von einem Freund, habe ich noch ein Mädchen aus Stgt. getroffen, die auch gerade dort wohnt. Zusammen mit ein paar anderen Freunden aus Stgt. und SP haben wir am Fr. ein Festival zum 454. Geburtstag von SP besucht. Jorge Bemjor, einer der berümtesten MPB (música popular brasiliera) Künster, hat dort als Mainact gastiert. Ein schönes Festival mit guter Musik. Besonders toll fande ich, dass wirklich alle Menschen dort wahnsinnig mitgemacht haben. Sie haben mitgesungen, getanz und ne Megaparty gefeiert. Man hat sofort gespürt, dass dieses Volks den Rhythmus im Blut hat. Ich als deutscher Bewegungslegastheniker dagegen, musste mich erstmal locker machen. Schrecklich...


Verwundert hat mich allerdings, auf dem ganzen Festival wurde nichts verkauft. Nichts zu essen, nichts zu trinken. Also bin ich vor Hunger fast eingegangen und habe mich stattdessen an den Marihuanawolken, die durch die Luft gewabert sind, berauscht. Ob der Nebel auf der Bühne aus der Nebelmaschine kam...???


Die Leute in SP, Stadt sind sehr gemischt. Hätte man mich hier her entführt, ich könnte nicht erkennen in welchem Land ich bin. Abgesehen, dass es hier natürlich mehr Dunkelhäutige gibt, könnte es auch in irgendeiner internationalen Metropole Europas sein.

Ein Video davon findet ihr unter:

Abends habe ich dann noch eine "Pizza" gegessen, obwohl Italien den Brasilianer sofort den Krieg erklären würde, wenn sie wüssten, was hier als Pizza verkauft wird. Ich aß eine Pizza com Frango - Hühnchenpizza. Allerdings sah das Hühnchen eher wie geraspelte Karotte aus. Und der Käse war die Kröhnung. Er kam aus einer riesiegen Industirekartusche und wurde von einem Industriearbeiter mit Platikschürze, Mundschutz und Haarnetz wie Silikon auf die Pizza gespritzt. Aber: Immer hatten sie einen originalen Steinofen mit Holzfeuer. Der Geschmack hielt sich in Grenzen! :-)
Am Sa. bin ich dann doch ganz alleine auf die Stadt los. Ist schon wirklich unglaublich. Die Größe der Stadt in kaum vorstellbar. Ob jetzt hier 12 oder 20 Millionen wohnen weiß hier anscheinend keiner so genau. Hängt wohl davon ab, ob man die Favelas (Armenviertel) mitzählt. Bin dann mit dem Bus nach Pinheiros gefahren. Dort wohnt wiederum ein Freund eines Freundes. Viell. werde ich bei ihm wohnen können. Hat übrigens ganz gut geklappt, alleine im Bus. Wenn man weiß wo man ist und wo man hin will, kann man sich entweder bei Ortskundigen oder im Internet über die zuverwendenden Buslinien erkundigen. Ob die Bussen allerdings dann auch fahren, ist reine Glückssache. Jemand hat zu mir gesagt: "Das einzige, was man wirklich in SP lernt ist, Geduld zu haben" Stimmt wohl auch. Es gibt keine Pläne, keine Karten, nichts. Also regt sich auch keiner auf. Alles sehr tranquilo - locker halt. Und obwohl die Busfahrer heizen, als ob es kein Morgen gäbe, fährt man immer ganz schön lange, egal wo man hin will. Die Stadt ist einfach zu groß und zu voll... :-)

In Pinheiros habe ich mir neben der Wohnungsbesichtigung noch ein bisschen die Gegend angeschaut und mir auch eine brasilianische SIM-Karte besorgt. Gut das ich wiederum Hilfe hatte, sonst wäre ich kläglich gescheitert. Denn selbst für Muttersprachler ist die Beschaffung und Registrierung alles andere als einfach. Wie das Telefon- und Mobilfunksystem an sich in Brasilien funktioniert weiß ich auch noch nicht so genau. Man muss unzählige Arten von Vorwahlen, Provider- und Rufnummern aneinanderreihen. SMS ist wiederum anders - keinen Plan. Das einzige was ich schon weiß, Prepaidtelefonie ist hier ungefähr so teuer wie bei uns vor 5 Jahren oder so. Sobald ich davon mehr verstehe, berichte ich euch mehr davon. :-) Danach bin ich vom riesigen Busterminal Tietê zurück nach Cachoeira Paulista gefahren. Der Bus benötigt ca 2,5 bis 3 Std., hängt natürlich vom Verkehr ab und wie oft die Busfahrer anhalten, um Polizisten, die an der Autobahn stehen, mitzunehmen oder wieder rauszulassen. Ist hier wohl normal??? Kein Ahnung?!

Die Autobahn ist hier sowieso eine eingene Erzählung wert: Wie schon geschrieben - das erste Mal auf brasilianischen Autobahnen unterwegs und schon rückwärts fahren! Außerdem ist die Autobahn hier eigentlich eine "Alles"-Bahn. Fußgänger, Jogger, Fahradfahrer, Tiere, Anhalter, laufen, stehen oder Kreuzen hier neben den Auto, Bussen und LKWs die Fahrbahnen. Es gibt sogar Fußgängerwarnschilder. Sagt irgendwie schon alles, oder?! Aber sie ist halt auch die einzige Verbindung hier zwischen den Städten. Also - ist wohl auch normal. Die Qualität der Allesstraßen ist dafür garnicht schlecht. Ist zwar nicht wie bei uns, aber Europa hat ja auch nicht überall die besten Autobahnen. Dank der Privatiesierung hier wird die Korruption etwas eingedämmt und die eingenommenen Mautgebühren kommen auch dem Ausbau und Erhalt zu Gute.


Also genug vorerst...



Alle Fotos könnt ihr bei Picasa anschauen:






Viele liebe Grüße,
euer Roman

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